Renate Busam
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Meditation und der innere Zeuge

 

„Das EWIG EINE verweilt immer in derselben unbedingten und von sat-cit-ananda (sein, bewusstsein, seeligkeit) durchströmten Natur“ (Sankara, drgdrisya sutra 28, vgl. Raphael)

In der Stille, wenn wir in Meditation sind, wird die Fähigkeit des Bewusstseins als Zeuge zu erscheinen offenkundig, “hier kehrt das Bewusstsein als sat–cit–ananda in sich selbst zurück“ (vgl. Rapahel über samadhi in Drgdrisyaviveka, S.53)

In der Meditation wird das Bewusstsein abgezogen von der Welt und aus seiner objektorientierten Projektionskraft. Das Bewusstsein „verliert„ in der Stille seine nach aussen auf die Welt gerichtetet Kraft und auch die Energiemuster, die den Wunsch nach der Objektwelt tragen, werden still. D.h. Die Ursache der projektiven Bewegung des Bewusstseins erlischt, wenn wir in Stille SIND.
Der Zeuge erscheint das Bewusstsein verharrt (im innen).
Dies ist ein wichtiger grundsätzlicher Schritt – nicht nur beim Meditieren, sondern als Markstein auf dem Weg der SELBST-verwirklichung.
Wenn Bewusstsein zum Zeugen wird, gibt es seine (unbewusste) aktive Rolle als Darsteller im Schauspiel der Welt auf und wendet sich der im innen verharrenden, “passiven“ Position des Zuschauers zu. Diese Position wird nicht mehr vom Ichwillen und dessen Wahrnehmung (ahamkara) bestimmt, sondern vom jiva (dem schöpferischen Seelenbewusstsein).
Der Zeuge ist auf dieser Ebene also weniger vom verstandesorientierten manas-Ich getragen, sondern von den buddhi, der einheitsorientierten Intelligenz des erweiterten Bewusstseins, und dem Einheits“interesse“ einer Seele, die ihre Rückanbindung an das permanent - Seienden der Seinskonstanten sucht.
Der Zeuge bezieht sich immer auf die innere Mitte - auf das, was im Moment IST und verweist auf die Identität der Einheit der inneren Mitte unseres Systems mit dem Höchsten.
Wir erinnern uns: Im Blick des Inneren Zeugen einen sich Widersprüche und innere Konflikte und harmonisieren sich.
Wenn das Ichbewusstsein (ahamkara) also seine Aufmerksamkeit auf den inneren Zeugen zu richten beginnt, öffnet sich der Weg zur inneren Wahrheit (der jana-marga) ganz spontan.
Der Zeuge wird vom Ichsinn zunächst nicht verstanden als Widerschein des Einen Absoluten, sondern eher gesehen als erweitertes, tieferes Zentrum des Ichs.
Erst wenn die Qualität des Zeugen sich deutlich von den gewohnten Wahrnehmungsfiltern des Ichkerns absetzt, etwa durch die Öffnung von intuitivem, medialem Wissen oder auch durch samadhi-Erfahrungen, die in der Stille erscheinen, beginnt das Ich langsam seine wahre Natur zu erahnen und die bisherige Ich-Identität bröckelt.
Und indem das Körper-Ich sich mehr und mehr dem Gewahrsein öffnet, und wenn der Zeuge, der bisher wahrnehmendes Subjekt/Beobachter war, ganz verschwindet und
DAS EINE EINE sich enthüllt, wird der Zeuge als andere Form des Ewigen, als Widerschein der Absoluten Seinskonstante verstanden.
Als innerer Zeuge zu sein hieß bisher:
da ist ein Zentrum, das sieht und beobachtet und zwar unbeteiligt, distanziert, jenseits aller Wertung dessen was gesehen wird.
Im tiefen samadhi (nirvikalpa) - oder in der „Endphase„ der Verwirklichung aber zerfällt der Zeuge und mit diesem das innere Zentrum in der Schau seiner tiefsten Natur - der absoluten Einheit:
hier ist Keiner mehr da, der sehen könnte und nichts, was es zu bezeugen gäbe
hier IST unmittelbares, spontanes WISSEN als gelebtes SEIN.