Renate Busam
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Wer bin Ich - Das Ich-Ich Ramana Maharshis

 

Im Upadesha Saram ist Ramanas Kernidee des atma vichara formuliert als zentrale Methode der Selbst-befragung:

Wer bin Ich?

Selbst-befragung ist hier als ständige Ausrichtung des Bewusstseins gemeint. Diese kleine Übung hat das Ziel, das erfahrbar zu machen, was nicht zu erfahren ist:

  • unsere letztendliche Wirklichkeit
  • die Nicht - Dualität des Selbstes

In der Frage "Wer bin ich" ist das Ich zunächst auf der Ebene der Person, also im Ich - Bezug, beherbergt aber - quasi verschleiert, das Ich im SELBST - Bezug - also die absolute Wirklichkeit.

So ist es zu verstehen, wenn Ramana sagt: „Das Ich löscht die Illusion des Ich aus und verbleibt dennoch als das Ich“ (talks 28)

In der Selbstbefragung wird deutlich, ich bin nicht dies und dies auch nicht...ich bin nicht dies, nicht das. ..In der Frage „Wer bin Ich“ zerfällt die scheinbare Struktur des Ich immer mehr und „taucht“ quasi wieder auf, indem das Ich sich als seine eigene Quelle erkennt, als: ich bin DAS.

Ramana bezeichnet diese kleine Übung des atma vichara als den „direkten Weg" Verwirklichung zu erlangen; dies ist der SELBST - verwirklichten Zustand als das beständige, bewusste Verbleiben in der Quelle; dieser Seinszustand wird im Vedanta „jivanmukta“ genannt, - was soviel bedeutet wie „lebend Befreiter“.

Ein Aspekt, bei dem es bei dieser Übung geht, ist, sich klarzumachen, dass alle Gedanken letztendlich auf den einen grundlegenden, den „Ich-Gedanken“(aham-vritti) zurückzuführen sind; der Ich-Gedanke ist die Wurzel aller Gedanken- von daher ist die Erforschung des Wesens des Ich zur letztendlichen Wahrheit, dessen, was ist.

Wo führt die Frage „wer bin Ich“ hin ?

Letztendlich ins Nichts!
Das atma vichara baut auf die Gnade, dass in der Identitätslosigkeit des sich immer mehr leerenden Ich, im “Ich bin nicht dieses noch jenes“ die letztendliche Wahrheit auftaucht - die unmittelbare Gewissheit, dass Ich "Es" bin, das Selbst, das Eine - und dass dieses und nur dieses mein wahres Wesen ist. In der Illusion des Ich enthüllt sich das SELBST.

Das atma vichara setzt im grunde einen Fragenden voraus, der das SELBST als letztendliche Wirklichkeit bereits an - erkennt / bzw. erkannt hat., z.B. in einer Erleuchtungserfahrung geschaut, aber - aus der Perspektive des personalen Ich - (noch) nicht beständig in dieser Wahrheit zu verbleiben vermag.

„Wer bin Ich „als Übung baut auf die existentielle Einheit mit dem Selbst - auf die permanente Präsenz des Einen auf, sie weiss, dass „Ich“ das Eine immer bin, dass es unmöglich ist, diesem Seinszustand zu entkommen, da er grund-legend für alles was ist ist, also absolut ist, das heisst, nur in sich selbst gründet - unabhängig von jeglicher Form der Existenz. Das EINE ist ewig, d.h. im Gegensatz zum personal erfahrenen Ich hat es niemals begonnen und wird niemals enden - da ist kein Werden, keine Vergänglichkeit, keine Relativität - nur die Unmittelbarkeit des SEINS.

Das „Wer bin Ich„ hilft, mir schlagartig den illusionären Charakter des Ich klarzumachen, indem ich das personale Ich erkenne als die zahllosen Formen, die nichts weiter sind als Überlagerungen, die das SELBST verhüllen wie die Wolken die Sonne. Die Sonne, die ja dennoch immer scheint, auch wenn sie hinter Wolken versteckt steht.

Die Bewusstseinsbewegung des „wer bin Ich“ enthüllt den illusionären Charakter des Ichs in vielen Aspekten: Das Gewicht, die Dramatik der Lebens- und Schöpfungsgeschichte einer Person löst sich energetisch buchstäblich im Nichts auf.

Matrixelemente der Seele - Schöpfungszusammenhänge, die unsere Inkarnations-bedingungen schaffen und in Resonanz zur kreativen Masse des Universums - den Saman Isvaras stehen, fallen in der Selbst-begegnung in Eins - erkennen sich als Ur-Licht - als eigenschaftsloses reines SEIN.

Mit atma vichara zu arbeiten heisst, den Weg des personalen Ich-Tods zu gehen und sich dem zuzuwenden, was wirklich ist: Ich-losigkeit, ewig befreite Essenz - ungetrennte Einheit.

In der Selbstbefragung stossen wir auf die Rolle des ahamkara - der Ich-Sinne, deren Aufgabe es ist, Projektionsinstrument für die kreative Kraft des Bewusstseins zu sein - die Samen des universellen Selbstes, die Samen Iswaras zu manifestieren. In dieser Rolle sind sie Instrument, das der Verschleierung des Wirklichen, des Ewigen dient, um die Welten der Schöpfung zu schaffen und zu erhalten

Die radikale Rücknahme des Ich-Sinns von der Aussenwelt/Objektwelt in die Innen-wahrnehmung, Teil der Selbstanalyse, holt die Objektwelt des Aussen ein und lässt sie
„im Innen“ verschwinden.

So hilft das atma vichara, Alltagssituationen freizugeben, in denen das Ich festhängt oder sich im aussen verloren hat- es hilft, „mich“ zu erinnern, was wirklich IST.

Die „ Ausdehnung“ des „kleinen“ Ichs ins ewige Jetzt hinein bringt so nicht nur den Ich - Tod mit sich, sondern gleichermassen auch den Auflösungsprozess der (Objekt)-Welt des Innen und Aussen.

Es lässt das Wissen aus dem Selbst entstehen, dass das Subjekt allein existiert als das Eine, un-getrennte, in sich ununterschiedene und eigenschafts-lose SEIN:

  • „da ist nichts im Aussen“
  • „da ist nichts im Innen“

Wer Bin Ich ?

Die Selbstbefragung öffnet in die Einheit aller Dinge, die in meinem Leben sind -sie öffnet sie zu meinem eigentlichen, meinem wahren Wesen, zum Selbst hin.

Alte Denkformen fallen ab - inneren Werte entstehen neu durch den ständigen Selbstbezug von allem was ist - die Welt der Vielheit erlöst sich in der Wahr-nehmung von allem als: „alles ist eins“ und „alles ist gleich “.

Hierarchien werden überfällig, da als Teil des SELBSTES alles als in Wahrheit ungetrennt und gleich-wertig erkannt wird. Durch die Einsicht in die Gleich-wertigkeit entspannt sich die alles wertende und auf und ab-wertende Funktion des Verstandes und macht einer Haltung der Friedfertigkeit Platz gegenüber allem was da ist.

Wahrnehmung erfolgt durch das freie Herz und unterstützt auf der „Ich-“Ebene ein freiheitliches Verstehen von Situationen, Angstfilter, die aus der Vergangenheit die Situation ansonsten per se mitgestalten - die ganze emotionale Einfärbung durch das Ego- verblasst im permanenten SELBST- Bezug:

  • keine Re-aktion auf das aussen
  • keine Re-aktion auf das innen

ich erinnere in jedem Moment:

Wer IST?
Wer Bin Ich?

Die Vervollkommung der inneren Mitte im „Prozess“ der Verschmelzung von Ich und Selbst (Heilung / Entgrenzung des Ich / Tod des Ich - Entstehen des Ichkerns als Ich - Ich) bedeutet ein Abschied nehmen von der Welt des Werdens und Vergehens - ein Ankommen in der Kraft des Jetzt.