Renate Busam
 
 
 
Erscheinung und Wesen - kleiner Kommentar zu Ramanas atma vichara



Wer bin Ich ? Das Ich – Ich Ramana Maharshis
(2008/18)

In der kleinen Versschrift „Upadesha Saram„ erklärt Ramana seine
Methode als einen direkten Weg zur Erkenntnis unserer wahren Natur.
Er nennt ihn atma vichara (Erforschung des atman).
atma vichara arbeitet mit den Fragen:
Wer bin Ich ? Wer ist Ich ? Wo entsteht das Ich ?
Es ist eine Methode der Selbst-Befragung
, der Selbsterforschung.
Die Frage ermöglicht die ständige Ausrichtung des Bewusstseins auf das
Ewige.
Diese kleine Übung hat also zum Ziel, das erfahrbar zu machen, was
nicht zu erfahren ist und dennoch unser eigentliches Wesen,unsere
letztendliche Wirklichkeit,zu enthüllen in der Lage ist.
In der Frage „Wer bin ich„ ist das Ich zunächst auf der Ebene der
Person, beherbergt aber, quasi verschleiert, das Ich als das SELBST, als
die Absolute Wirklichkeit.
So ist es zu verstehen, wenn Ramana sagt:
„Das Ich löscht die Illusion des Ich aus und verbleibt dennoch als das Ich“ (talks 28)

In der Selbstbefragung wird deutlich , dass in der Frage „Wer bin Ich“,
die in das Fliessen des Ich- in das kontinuierlich konstante Ich-Ich-
übergeht die Identitäts-Struktur des Ich umbricht.
Das, was das Ich denkt , was es sei, zerfällt immer mehr.
Bis das Ich letztendlich wieder auftaucht als leere Identität, als
eigenschaftslos, als nicht definiert und auch nicht karmisch festgelegt.

Das Ich erkennt sich als seine eigene Quelle, als das ewig Seiende, als
„Ich bin DAS„.
Ramana bezeichnet die Übung(sadhana) des atma vichara als den
„direkten Weg„ Verwirklichung zu erlangen;
Verwirklichung im Sinne des Selbst-verwirklichten Zustands, als das
beständige, bewusste Verbleiben in der/als Quelle.
(Dieser Seins-zustand wird im Vedanta „jivanmukta“ genannt, -was soviel
bedeutet wie „lebend Befreiter“.)

Ramana geht davon aus, dass alle Gedanken letztendlich auf einen
grundlegenden zurückzuführen sind, den „Ich-Gedanken“(aham- vritti);
der Ich-Gedanke ist - so Ramana-die Wurzel aller Gedanken.

Von daher führt die Erforschung des Wesens des Ich, das „Wer BIN
ICH?“ zur letztendlichen Wahrheit.
Im Grunde in den meditativen Zustand es „ICH BIN, der Ich Bin„,
in das ICH -BIN -Bewusstsein, in das kontemplative Schauen des SEINS.
Ramana sagt in den talks:“Wo führt die Frage „wer bin Ich“hin ? finde
es heraus.“
Das atma vichara führt in die Identitätslosigkeit des ent-leerten Ich,
das seine eigene Nicht-Existenz schlagartig versteht und sich als reines
Sein geniesst.


Das atma vichara setzt im grunde einen Fragenden voraus, der das
SELBST als letztendliche Wirklichkeit bereits an – erkennt / bzw.
erkannt hat oder sucht.
Ein Ich, das Erleuchtungserfahrung erlebt, aber – aus der Perspektive
des personalen Ich - nicht beständig in dieser Wahrheit zu verbleiben
vermag, das heisst ein Ich, das (noch) nicht verwirklicht ist.

„Wer bin Ich„ als Übung baut auf die existentielle Einheit mit dem
Selbst - auf die permanente Präsenz des Einen auf, sie weiss, dass „Ich“
das Eine immer bin,
dass es unmöglich ist ,diesem Seins-zustand zu entkommen oder aus
diesem „herauszufallen“.
Es erkennt seine wahre Natur , weil es sie (jetzt) IST.

Sein und unmittelbares Wissen sind hier eins.

Das Streben nach Verwirklichung unserer wahren Natur setzt
schlagartig oder nach und nach das zweifel-freie Wissen frei, was
wirklich und wahr ist, wer wir sind,
was grund-legend ist für unsere Existenz und was relativ.

Das Eine Wahre ist in sich selbst gründet, eigenschafts- los, unabhängig
von jeglicher Form.

Das EINE Wahre ist ewig,
d.h. im Gegensatz zur als personal erfahrenen Ichstruktur hat es
niemals begonnen und wird niemals enden.
Da ist keine Bewegung kein Werden, keine Vergänglichkeit ,keine
Relativität–
nur die Unmittelbarkeit des SEINS, schlichtes einfaches Da-SEIN.
Das „Wer bin Ich„ hilft, den relativen, zeitgebundenen Charakter des
Ich klarzumachen.
Die vielen Facetten und Gesichter des Ich sind (um ein Beispiel aus den
Veden zu gebrauchen)
nichts weiter als Überlagerungen dessen was Ewig
IST, so wie die Wolken die Sonne verhüllen.

Die Sonne, die ja dennoch immer da ist, auch wenn sie hinter Wolken
versteckt ist.