Renate Busam
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Wer Ist ? Wer Bin ich ?
Ramana Maharshis Methode der Selbst-erforschung

 

In einem der ältesten Texte Ramanas, der upadesha saram (der direkte Weg) heißt es:
aham –ayam kuto bhavati chinvatah- -ayi patat-yaham nija-vicharanam
19. Woher kommt dieser Ich–Gedanke ? wenn man sich fragt, WER IST, WER BIN ICH, verschwindet das Ich; dies ist die Methode der Selbst-erforschung (atma vichara)

ahami nasabhaj-yaham-ahamtaya–sphurati hrt svayam parama-purna-sat
20. Wenn dieses Ich in der Quelle verschwindet, entspringt spontan und ununterbrochen ein Ich – Ich: dies ist das Herz, in seiner Unendlichkeit, das ABSOLUTE, das Eine.

idam –aham pada `bhikhayam-anvaham – ahami-linaké `pyalaya-sattaya
21. Dieses un-unterbrochene Ich–Ich erweist sich als das wahre „Ich“,das Herz, das Selbst, es hat auch dann Bestand, wenn das Ego-Ich erlischt.

Auch Sokrates verweist auf die Selbst-Erforschung als Weg, die wahre Wirklichkeit zu erkennen.
Die Frage: “wer ist„ hilft uns, die Identifikation mit dem aktuellen Objekt (Gefühl, Konflikt)
aufzulösen und diese Energie somit freizugeben in der Ausrichtung auf unser wahres Wesen. Sie hilft uns loszulassen und enthüllt gleichzeitig die wahre Grundlage von Schöpfung und von unserem In-der-Welt-sein.
Es geht dabei nicht um die definitive Beantwortung der Frage Wer BIN ICH ? Selbstbefragung (atma vichara) führt nicht zu einer Antwort im üblichen Sinn, sie ermöglicht vielmehr eine offene Haltung gegenüber dem, was gerade da ist. Sie erlöst das Körper-Ich immer wieder aus dem Verstricktsein mit dem Leben und wirft es aus den Aussenprojektionen wieder auf die eigentliche Wurzel zurück: auf das Ich BIN, auf das in-Existenz- sein, hier und jetzt.
Atma vichara, Selbstbefragung, setzt schlagartig die Erinnerung an unsere wahre Natur frei, sie verweist spontan auf das Absolute, auf das eigentlich Wesentliche und bringt uns vom Phänomenalen, von der Oberfälche des Lebens zur Tiefe seiner inneren Einheit und Einzigartigkeit zurück.
Ramanas These ist, dass bei der Meditation über die Frage wer ist „Ich“ und das Festhalten am Ich-Gedanken das kontinuierliche „Fliessen“ des „Ich – Ich„ entstehe. Durch die meditative Ausrichtung am Ich-Gedanken zerfällt dieser irgendwann und gibt die abstrakte Empfindung des In-Existenz-seins frei.
In der gefühlten Kontinuität des stillen, inhaltsleeren Ich-Ich enthüllt sich dessen eigentliche Wurzel: das ABSOLUTE, das SELBST. Unsere wahre Natur ist ein“Ich“, das ohne Anhaftungen, ohne Bezug auf ein Objekt, ohne Eigenschaften schwingt, ein „Ich“ das identitätslos ist und un-unterbrochen präsent - permanent seiendes, bewegungsloses, leeres, nicht differenziertes Bewusstsein.
Aus der Ichperspektive können wir die Erkenntnis des Ich, wenn es an diesem Scheitelpunkt des Ursprungs allen Denkens ist, so zusammenfassen:
„Ich bin weder dies noch das – alles, was ich bin ist „ICH BIN“.
Dieses ICH BIN kennt keine Definition, kein Bild von sich oder von einem zweiten, kein Wollen, keine Ausrichtung von Gedanken auf etwas- das Ich-Bewusstsein auf dieser Ebene ringt nicht um bestimmte Ausrichtungen des Lebens – es IST.
Auf dieser Ebene ist Bewusstsein nicht mehr Ich-Person sondern universelle Schöpfung, existenzielles Sein, das aus der LEERE Kommt.
Die Auflösung des formen-identifizierten Ich im „ICH BIN“ setzt permanentes Selbstgewahrsein als Existenzmöglichkeit frei.
Das Verharren im Ich BIN bedeutet den Stillstand der Bewegung des Werdens in der Ewigkeit des Seins. Sie ist unsere wahre Natur.